Chefin wird, wer machthungrig ist

Frau mit Handy in der Hand

Wenn Frauen es ganz nach oben schaffen, dann weil sie überdurchschnittlich machtorientiert sind und echte Frontfrauen sind.

An dem beliebten Vorurteil scheint tatsächlich etwas dran zu sein, glaubt man einer Studie der Universität Hohenheim und der German Graduate School of Management and Law aus Heilbronn, über die Wirtschaftspsychologie aktuell kürzlich berichtete.

Die Forscherinnen hatten 500 Führungskräfte online befragt, immerhin 200 von ihnen waren weiblich. An der Studie nahmen 500 Führungskräfte aus ganz Deutschland teil, darunter 200 Frauen. Das Ergebnis: Je höher die Frauen auf der Karriereleiter kamen und je weiter sie in der Unternehmenshierarchie an der Spitze standen, desto machtbewusster verhielten sie sich und kommunizierten sie auch. Abhängig von der Position war offenbar auch ihr Wille zur Macht, ihre Durchsetzungsbereitschaft und die Konfliktbereitschaft. Und umso ausgepräger war auch ihr Narzissmus – genau wie bei den Männern.

Machtfrauen häufiger alleinstehend und kinderlos

Das Ergebnis erstaunt nicht so sehr, wenn man sich mit der Systematik von Macht und Aufstieg in Unternehmen beschäftigt. An die Spitze schaffen es vor allem Menschen mit narzisstischen Persönlichkeitsanteilen. Die Ich-Bezogenheit schlägt sich allerdings bei Männern und Frauen in ihrer Lebensform unterschiedlich nieder: Während auch stark narzisstische und machtorientierte Männer Familie gründen und Kinder haben, leben die machtorientierten Führungsfrauen häufiger allein und sind kinderlos. Kein Wunder: Familie zu haben bedeutet entweder Verzicht oder einen Partner bzw. eine Partnerin, die bereit ist, ihre eigenen Bedürfnisse für die Familie zurückzustellen. Und hier unterscheiden sich die Rollenbilder der Geschlechter nach wie vor grundlegend.

Tina Groll

Die Journalistin und Buchautorin Tina Groll arbeitet als Redakteurin bei ZEIT ONLINE im Ressort Politik & Wirtschaft. Ihre Schwerpunkte sind Gleichberechtigung in der Arbeitswelt, Frauen und Karriere, Arbeitsrecht, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik sowie Pflege.

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