Lohnlücke beginnt bereits bei der Jobanzeige

Mehrere Personen auf dem Büroflur

Frauen fühlen sich damit unwohler als Männer, einen Gehaltswunsch anzugeben, so eine Studie. Und das hat oft Nachteile.

Nur gut jeder fünfte Arbeitgeber macht in seinen Stellenanzeigen Angaben zur Bezahlung. Handelt es sich nicht um eine eindeutig tariflich bezahlte Stelle, bleibt es in der Regel bei vagen und oft beschönigenden Angaben wie “attraktiv”, “fair” oder “branchenüblich”. Das stellt eine neue Studie der Jobplattform StepStone fest, für die insgesamt 28.000 Menschen in Deutschland befragt wurden und die repräsentativ für die Erwerbsbevölkerung ist.

Viel häufiger wollen die Unternehmen Gehaltsvorstellungen schon beim Anschreiben haben, was für viele, insbesondere Berufseinsteigende, schwierig ist. Denn sie fühlen sich unterlegen, oft unsicher und gerade in Krisenzeiten wie derzeit die Pandemie in die Position von Bittstellenden gebracht. Die StepStone-Studie stellt zudem fest: Studentinnen und Absolventinnen haben nicht nur niedrigere Gehaltserwartungen als ihre männlichen Kommilitonen. Ihnen fällt es auch schwerer als Männern, einen Gehaltswunsch festzulegen und zu kommunizieren.

Mehr Lohntransparenz kann helfen

Das Ganze hat Folgen: den Gender Pay Gap, der hierzulande selbst unbereinigt zwischen fünf bis sieben Prozent beträgt, unbereinigt sogar 19 Prozent. Was nicht viel klingt, wirkt sich aber aus. Laut der Studie verdienen Frauen im Laufe ihres Berufslebens in der Regel immer noch rund 150.000 Euro weniger als Männer – und zwar bei vergleichbarer Qualifikation und Position.

Die Studie zeigt außerdem: Acht von zehn Arbeitnehmerinnen wünschen sich schon bei der Suche nach einem guten Job mehr Gehaltsinformationen. 96 Prozent der befragten Frauen würden sich eher auf ein inhaltlich passendes Jobangebot bewerben, wenn es konkrete Gehaltsangaben enthalten würde.

Lohntransparenz könnte helfen – ein Vorhaben, das nun auch auf europäischer Ebene mehr Beachtung erhält. Auch StepStone will ihren Beitrag dazu leisten und hat angekündigt, künftig Gehaltsspannen zu den Jobangeboten mitzuveröffentlichen. Wie das Unternehmen mitteilt, würden die  Gehaltsangaben “alle relevanten Faktoren wie beispielsweise Unternehmensgröße, Branche, Position und den Standort” umfassen, “um eine möglichst exakte Orientierung zu geben”. Basis seien mehr als 600.000 aktuelle Gehaltsdatensätze. Insgesamt verfügt StepStone über mehr als drei Millionen Gehaltsdaten.

Tina Groll

Die Journalistin und Buchautorin Tina Groll arbeitet als Redakteurin bei ZEIT ONLINE im Ressort Politik & Wirtschaft. Ihre Schwerpunkte sind Gleichberechtigung in der Arbeitswelt, Frauen und Karriere, Arbeitsrecht, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik sowie Pflege.

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